Mit Capoeira gegen Rassismus
Das Gymnasium Martineum ist stets bemüht dem Titel „Schule mit Courage, Schule gegen Rassismus“ gerecht zu werden. Das klappt am besten mit zahlreichen und vielfältigen Angeboten. Das jüngste Projekt fand vom 16.3.09-18.3.09 für die 9. Klassen in der Aula unserer Schule statt.
Diesmal war es eine etwas ungewöhnliche Veranstaltung. Es wurde eine brasilianische Kampfsportart, welche im 16 Jahrhundert in Südamerika entwickelt wurde, trainiert. Die Rede ist von: Capoeira. Capoeira wurde erstmals von verschleppten afrikanischen Sklaven in Amerika praktiziert. In diesem „Kampfsport“, spiegelten sich die Träume, Trauer, Hoffnung, Sehnsucht und Mut der Sklaven wieder.
Eine waschechte Brasilianerin, die mittlerweile seit 6 Jahren in Deutschland lebt, beherrscht Capoeira bis zur Perfektion. Frau dos Santos wohnt in Berlin. Eigentlich sollte sie nur 6 Monate in Deutschland verbringen und für einen Capoeira-Trainer in Berlin einspringen. Aus den 6 Monaten wurden dann 6 Jahre und es werden auch noch weitere Jahre dazukommen. Seitdem sie in Deutschland ihren Mann kennen lernte, möchte sie auch nicht mehr zurück nach Brasilien, abgesehen von Verwandtenbesuchen.
Die vier Schulstunden Capoeira waren ein voller Erfolg. Am Anfang waren die Teilnehmer noch ein bisschen skeptisch. Aber als dann noch die passende Musik dazu kam, klappte alles. Bei der kleinen Auswahl von nur sechs Figuren, es gibt natürlich auch sehr viele mehr, die Frau dos Santos lehrte, kam jeder ganz schön ins Schwitzen. In den Pausen konnte man sich dann auch ins Gespräch vertiefen. So erzählte Frau dos Santos auch, wie sie zum Kampfsport Capoeira gekommen ist.
Ihre beiden jüngeren Geschwister übten Capoeira schon in der Schule aus. Da sie aber schon aus der Schule raus war, als Capoeira zum Schulfach wurde, hatte Frau dos Santos keine Möglichkeit den Kampfsport zu erlernen. Als sie aber einmal eine Vorstellung gesehen hatte, war sie sofort „Feuer & Flamme“. Aber ihr Vater verbot es ihr zuerst Capoeira zu erlernen, später durfte sie aber doch dran teilnehmen. Seitdem wurde es schwer für sie. Denn Frauen die Kampfsport in Brasilien trainieren, wurden nicht gern gesehen, sondern nur Männer. Dennoch boxte Frau dos Santos sich durch und nun unterrichtet sie selbst Capoeira in Berlin. Angefangen von 5 Jahren bis hin ins hohe Alter wird der Kampfsport gelehrt. In Brasilien und Deutschland erfreut sich dieser „Kampftanz“, wie er auch gerne genannt wird, immer größerer Beliebtheit. Wie es auch deutsche Meisterschaften gibt, gibt es auch bei Capoeira Gradierungen. Die Farben: weiß (Anfänger), gelb, orange, blau, grün, lila, braun, rot, rot-weiß und weiß (Master) weisen wie bei Karate auf den Rang hin.
Text: Sarah Pulz
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