Niederndodeleben -Vorbereitung der
Tanzania- Reise 2007
Wer sich für Afrika interessiert, kennt das Mauritius-Haus in Niederndodeleben. Schon traditionsgemäß treffen sich hier Schüler, Lehrer und Freunde des Tanzana-Kreises, um sich über Afrika allgemein und Tanzania im Besonderen zu informieren, über Probleme zu sprechen, zu spielen, zu feiern, zu singen, … und sich auf die Reise nach Tanzania vorzubereiten. So auch in diesem Jahr . Gemeinsam mit Uta Brux, Referentin für entwicklungsbezogene Bildung, wurde ein dreitägiges Programm zusammengestellt, das abwechslungsreich, und informativ war und allen viel Spaß machte. Die jüngeren Schüler nutzten verschiedene Medien, um sich ein Bild über Tanzania, seine Landschaft, Tierwelt, Umwelt und gesellschaftlichen Probleme, Traditionen, Sprache… zu machen. Die Reiseteilnehmer planten das Programm für die Projektarbeit an der Partnerschule in Lupalilo. Die Themen „Spiele“ und „Familie“ sollte Projektschwerpunkt werden. Dabei wollten wir das Programm so gestalten, dass genug Platz war, auf die Angebote der Partnerschule einzugehen. So wurden viele Ideen aufgenommen, von Sportspielen, Brettspielen, Memory, Domino, Theater, Musikspiele bis hin zu Kartenspielen. Wir wollten gern unsere Spiele vorstellen und afrikanische Spiele kennen lernen. Einen besonderen Platz sollte dabei das Sch spielen einnehmen. Susi und Tina Dohrmann wollten als Mitglieder des Lebendschachensembles Ströbeck mit den tanzanischen Schülern Schach spielen lernen und eine Lebendschachspielgruppe ins Leben rufen– ein großes Vorhaben, das viele Skeptiker auf die Bühne rief. Für dieses Vorhaben mussten Kopfbedeckungen gebastelt werden, die leicht waren und sich gut transportieren ließen. Dabei konnten auch die „Kleinen“ mit helfen.
Unterbrochen wurde unser Arbeitseifer nur durch die Essenpausen. Die gute Versorgung ist im Mauritiushaus ist legendär, am Nachmittag gab es zum Tee sogar frisch gebackenen Kuchen. Das Abendbrot wurde mit einem Lagerfeuer verbunden, das die Jüngsten vorbereiten. Spiele und Lieder zur Gitarre gaben dem Tag einen schönen Ausklang.
Tanzaniareise , 16.7.-06.08.2007
Wegeleben-Halberstadt-Ilsenburg-Göttingen-Frankfurt-Dar es Salaam,
Was für eine Distanz… Abreise montags 11.00 Uhr, Ankunft dienstags gegen 15.00 Uhr Ortszeit. Bei 7 Personen mit 24 Stück Gepäck schwören wir uns auch in diesem Jahr, nie wieder so viele Geschenke mitzunehmen. Dabei hatten wir dieses Mal schon darauf verzichtet, die Schulmaterialien aus Deutschland mitzunehmen, die gab es nämlich in Tanzania genau so gut und preiswerter. Wir hatten Spendengelder, mit denen wir in Dar es Salaam in einem sehr modernen Supermarkt alle Lineale, alle A4-Hefte kariert und liniert, alle A5-Hefte, alle Buntstifte, alle Bleistifte, die vorrätig waren, dazu Radiergummis, Kulis und Anspitzer einkauften. Die Dame an der Kasse hatte viel zu tun! So füllten sich noch einmal 2 Reisetaschen. Wir fanden immer nette Freunde die uns halfen, das Gepäck sicher bis Njombe und dann bis Tandala zu transportieren. Margret Mwambemba und ihre Familie luden uns in Dar zum Essen ein, organisierten den Geldtausch und den Ticketkauf. Begleitet wurden wir dieses Mal vom Flughafen ab von unserem Kontaktlehrer Edonia Mahenge von der Lupasec. Mit Einheimischen an unserer Seite fühlten wir uns sicher. Freitag Abend waren wir dann endlich an unserem Ziel.
Ihanga
Samstag, 21.07.2007: Ein bewegender Augenblick– der Empfang am Ortseingang von Ihanga. Unsere Patenkinder stehen, fein herausgeputzt mit nagelneuen Schuluniformen, mit Blumen geschmückt und mit einem Begrüßungsschild in der Hand auf der Bergstraße und singen laut „Karibu, karibu…“Sie begleiten uns bis ins Dorf, wo wir viele bekannte Gesichter sehen. Nach dem gemeinsamen Essen im Haus des Pastors können wir im Rahmen eines Gottesdienstes unsere Patenkinder treffen. Wir überbringen die Grüße aus Deutschland, Briefe, Fotos und Schulsachen. Immer wieder werden Lieder angestimmt. Am Nachmittag wird ein Rundgang durchs Dorf unternommen, Unsre Schüler werden von den Kindern des Ortes „belagert“, Marc weiß warum. Sie warten darauf, dass sie mit ihnen spielen, wie vor zwei Jahren. Es wird ein sehr lustiger Nachmittag. Frau Müller und Frau Peters gehen mit dem Pastor die Listen der Waisenkinder durch, um zu sehen, wer die Schule verlassen hat wer weggezogen ist, welchen neuen Kindern geholfen werden kann. Nach dem Abendessen wird in fröhlicher Runde am Lagerfeure gespielt. Wir wollen die Spiele kennen lernen, nehmen die Lieder auf Kassette auf und lassen uns die Texte geben. Die Nacht im Haus des Pastors verläuft dieses Mal ohne Mäuschen...
Sonntag, 22.07.07
Besuch in Ukwama
Begründen einer neuen Schulpartnerschaft: UNESCO–Projektschule Grundschule II in Hettstadt/ Sachsen-Anhalt und Primary School Ukwama in der Ukinga
Gut vorbereitet war dieses Vorhaben! Seit vielen Monaten standen die UNESCO– Beauftragten aus Hettstedt Margitta Schubert und Anette Peters aus Halberstadt in Kontakt, die Wünsche und Vorstellungen der kleinen Grundschule wurden formuliert. In einem Brief nach Ukwama wurde die Möglichkeit angekündigt, 10 AIDS–Waisen der Grundschule in Ukwama finanziell unterstützen zu können. Vor zwei Jahren traten Verantwortliche der Gemeinde von Ukwama an uns heran mit der Bitte um Hilfe. Damals versprachen wir, diese Bitte mit nach Hause zu nehmen und „so Gott will“ Hilfe zu finden. Die Hettstädter suchten schon lange engeren Kontakt zu einer Schule in Tanzania, mit der ein Austausch möglich war. Nun hatten die Schüler eine Mappe gestaltet, in der sie sich vorstellten und 100,00 Euro wurden in Naumburg bei einer UNESCO-Tagung übergeben. Fredrick Pandilla bereitete vor Ort eine Liste mit den Namen der Bedürftigen vor, und wir konnten im Beisein der ganzen Gemeinde die Partnerschaft/Patenschaft begründen. Die Mappe wurde an den Schulleiter und das Geld direkt an die Kinder und ihre Betreuer übergeben und quittiert.
Wenn man diese Kleinen sieht, fragt man sich, ob sie wohl die in Deutschland ersehnten Briefe schreiben können…? Aber am Abreisetag überreichte uns Fredrick eine Mappe mit Bildern und Text, bei der wohl „unsere“ Mappe Pate gestanden hat. Wir bekamen nun den Auftrag, diese Mappe mit vielen Grüßen in Hettstedt zu übergeben. Das Briefeschreiben müssen sie noch lernen, aber der Anfang ist gemacht! Wir werden im nächsten Schuljahr nach Hettstedt fahren und viel zu berichten haben!
Projektarbeit in unserer tanzanischen Partnerschule, in der Lupalilo Secondary School,
23.07.-28.07.07, langfristiges Projektthema „Familienalltag in Tansania und
Deutschland – in Zeiten von Globalisierung und Klimawandel“
Mathematik-Domino, spielend lernen, Frau Müller/Marc Bergknecht
Das Mathematik-Domino knüpft an das in der ganzen Welt bekannte Dominospiel an. Frau Müller entwarf mit ihrer 6. Klasse im Mathematikunterricht am Martineum ein Spiel zum Lernen. Auf dem Stein finden sich einerseits mathematische Gleichungen, auf der anderen Seite Ergebnisse . Will man die Steine aneinander legen, müssen Gleichungen und Ergebnisse zusammenpassen. Das war nicht immer ganz einfach, weil es manchmal mehrere Möglichkeiten gab. Es musste ganz schön geknobelt werden. Doch die Schüler der Form I der Lupasec haben das Prinzip schnell erfasst und waren eifrig dabei, die Lösungen zu finden. Gefreut haben wir uns , als die Tanzanischen Schüler dann ihrerseits ein eigenes Mathedomino bastelten, das Frau Müller wieder mit nach Deutschland nehmen sollte.
Steine für den Neubau eines Labors herstellen, Marc Bergknecht, Julian Göpffarth, Frau
Müller, Frau Dr. Neumann
Gruppenarbeit, Befragung zum Thema „Familienalltag in Tansania und Deutschland“,
Dr. Neumann, Susi und Tina Dohrmann, Julian Göpffarth, Marc Bergknecht
Hier sehen wir einige Ergebnisse der Befragung. Die sind natürlich in keiner Hinsicht repräsentativ, das gab schon die grundsätzliche Befragungssituation nicht her. Aber sie spiegeln vielleicht doch Einstellungen und Lebensverhältnisse wider.
Fraglich ist aus meiner Sicht auch, wie ernst die tansanischen SchülerInnen die Fragen genommen haben. Bei den hier ausgewählten kann man schon davon ausgehen, dass die Antworten einigermaßen überlegt und erst gemeint sind. (Dr. Neumann)
Erkläre den Begriff „Gleichberechtigung in einem Satz oder schreibe eine Assoziation dazu auf:
Gleichheit vor dem Gesetz, gleiche Bildung, gleich bei der Hausarbeit, z.B. beim Kochen
Gleichheit in politischen Ämtern.
Gleichheit beim Kochen, in der Landwirtschaft.
In unserem Land gelten für Männer und Frauen die gleichen Rechte. Beispielweise können Männer kochen und
Frauen können aufs Feld gehen.
In unserem Land haben Männer mehr Macht als Frauen.
Wie stellst Du Dir Gleichberechtigung in Deiner Familie vor?
In unserer Familie bezahlen die Männer, wenn sie eine Frau heiraten wollen.
In unserer Familie herrscht Gleichberechtigung.
Wie stellst Du Dir Gleichberechtigung in der Politik vor?
In unserem Land gibt es Gleichberechtigung der politischen Organisationen. Der Bildungsminister ist z. B. eine Frau,
MARGRETH SITTA.
In unserem Land sind die Männer sehr im Vordergrund, aber es gibt auch Frauen im Parlament.
Zukunftsvorstellungen tanzanischer Schüler:
Ich möchte Ärztin werden.
Ich möchte eine gute Frau werden.
Ich möchte drei Kinder haben.
Ich möchte drei Kinder.
Ich möchte nach Deutschland fliegen.
Ich möchte im Sinne Gottes leben.
Ich möchte studieren, damit ich eine gebildete Person werde.
Ich möchte alles sauber halten, damit ich gesund bleibe.
Ich möchte nach meinem Studium verschiedene Tiere kaufen.
Ich möchte verschiedenen Menschen helfen ihre Probleme zu lösen.
Ich möchte den Waisen helfen.
Ich möchte korrupte Menschen kritisieren.
Ich möchte Frieden haben für alle Menschen.
Ich möchte befreundete Länder besuchen, z.B. Augsburg.
Mein Traum ist, eine Krankenschwester zu werden und deshalb will ich meine Ausbildung gut machen, damit ich die
Prüfung bestehe. Und außerdem will ich unbedingt meinen Gott sehen, in seinem Sinne leben.
Weitere Fragen waren:
Wer gehört zu deiner Familie?
Wer macht bei Dir zu Hause welche Arbeiten im Alltag?
Welche Arbeiten verrichten die Mitglieder Deiner Familie?
Neugierig geworden?
„Mein Traum von Morgen und Übermorgen“, Befragung und zeichnerische Umsetzung, Frau Dr. Neumann, Frau Peters
Bei der Befragung wirken alle Schüler sehr konzentriert und sie formulieren ihre Wünsche und Träume . Beim Zeichnen wirken sie etwas gehemmt, diese Aufgabe ist für sie ungewöhnlich. Die Schüler an der Lupasec haben keinen Kunst– Unterricht und sind ungeübt beim Zeichnen von Menschen. Trotzdem geben sie sich Mühe und wir merken bald, dass sich ihre Vorstellungen oft gar nicht so sehr von denen unserer Schüler unterscheiden: Sieger beim Sport, eine glückliche Familie, einen guten Beruf, anderen Menschen zu helfen, Frieden… das sind die Träume von Kindern und Jugendlichen hier und dort.
Tansanische Kinderspiele,
Frau Dr. Neumann, dokumentiert von Julian Göpffarth, Frau Müller und Frau Peters
Mädchen der 8. Klassen zeigen Kinderspiele, die wir zum Teil auch kennen, wie: „Ziehe durch die goldene
Brücke“, „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“, Völkerball, Seilspringen, „Die Schlange“, „Der
Plumpsack geht rum“, aber auch Kreisspiele, Klatschspiele mit Händen, mit Füßen, Singspiele.
Die Jungen spielen andere Spiele, natürlich Fußball oder akrobatische Einlagen, bei denen sie Mut Kraft und
Geschicklichkeit unter Beweis stellen können und von den Mädchen bejubelt werden.